Brachionus-
Rädertierchen Zucht
Das zur Zucht
bekannteste Zooplankton sind Rotatoria, auch als Rädertierchen
der Gattung Brachionus bekannt. Rädertierchen verfügen
über einen sehr geringen Nährwert für die Larven,
aber es ist klein und sehr gut zu vermehren, so das man eine geeignete
"Hülle" hat, welche man auf unterschiedliche Art
gut für die Larven anreichern kann.
Die Nahrung
nimmt es mit dem Räderorgan, zum Beispiel Phytoplankton durch
das Einstrudeln von Schwebepartikeln auf. Durch die Räderorgane
oder dem mit Klebedrüsen behaftetem Fuß kann es sich
fortbewegen. Brachionus sind getrenntgeschlechtig, jedoch können
sie sich auch durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) vermehren.
Hierbei legen die Weibchen haploide Eier. Das sind Eier mit einem
einfachen Chromosomensatz. Aus den unbefruchteten Eiern können
dann die Zwergenmännchen schlüpfen. Die haben gerade
mal die Größe von 40 µm, können sich jedoch
mit miktischen Weibchen weiter verpaaren. Dies ist sehr interessant,
wenn man kleine Larven aufziehen möchte. Man ist also in
der Lage kleine Exemplare auszusortieren und mit denselben weiter
zu züchten.
40
fache Vergrößerung
Es gibt unterschiedliche
Arten von Rädertierchen die in der Größe aber
auch in der Fortbewegung schwanken können, einige Rädertierchen
sind sehr langsam und träge und andere Arten bewegen sich
schneller vorwärts, dies ist bei der Fischzucht ein wichtiger
Faktor, denn einige Larven benötigen Zooplankton was sich
schnell bewegt damit der Fressreiz bei der Larve ausgelöst
wird. Die Größen der Arten Schwanken von 80-340 µm
(mikron)
100
fache Vergrößerung
Man kann die
Größe der Brachionus auch durch die Salzdichte beeinträchtigen,
wenn die Salzdichte höher ist, so kann das Brachionus dadurch
beeinflußt werden und bleibt kleiner.
500
fache Vergrößerung
Wo bekommt
man Brachionus?
unsere Brachionus
können Sie natürlich über Ihren Händler beziehen
(siehe im Menü Händler)
Wie
muss der Zuchtbehälter aussehen?
Das hängt
davon ab wie viel Brachionus man zu einer/seiner Zucht benötigt.
Für einen Wurf A.ocellaris reicht ein 60 cm Aquarium gut
aus. Desweiteren wird eine Luftzufuhr benötigt damit das
Wasser bewegt wird und eine ausreichende Sauerstoffversorgung
gewährleistet ist in kälteren Räumen sollte man
das Wasser auch auf 25 ° aufheizen, hierzu reicht eine Handelsübliche
Aquarienheizung (Meerwassertauglich) aus. Anschliessend füllt
man das Aquarium mit Phytoplankton bzw. mit frisch angesetztem
Meerwasser welches mindestens 3 Tage gereift ist, bis man circa
10 cm Wasserstand hat.
Das Rädertierchen
ist, was es frisst!
Phytoplankton
nennt man pflanzliches Plankton, welches von dem tierischem Plankton
(Zooplankton) und auch von manchen Larven verzehrt wird. So gibt
es viele unterschiedliche Arten von Phytoplankton welches zur
Zucht verwendet wird. Nannochloropsis salina, Dunaiella salina
, Isochrysis galbana, Tetraselmis usw.. jedes Phytoplankton hat
gewisse Inhaltsstoffe: Eins ist reicher an Omega Fettsäuren,
das andere beinhaltet mehr Lipide usw. Aber es gibt natürlich
auch Unterschiede in der Größe des Phytoplanktons.
Man muss also für die jeweilig zu züchtende Art das
passende Plankton finden, das dann auch den richtigen Nährwert
zur richtigen Zeit liefert. Um Brachionus zu vermehren gibt es
unterschiedliche Arten
1. Mit Phytoplankton
2. Mit Produkten
wie ReefPower
3. Mit Hefe
Phytoplankton
(N.salina) ist in der Regel die einfachste Variante da man die
Kultur nicht wie mit Planktonersatz überfüttern kann.
Nachteil bei Planktonersatz ist: Dass
bei Überfütterung die Kultur schnell verderben kann.
Die Wasserwerte werden innerhalb kurzer Zeit so schlecht das die
Brachionus absterben. Vorteil des Planktonersatz ist, ein guter
Nährwert der Brachionus. Wenn man mit Futterprodukten (Reefpower)
arbeiten möchte, gilt der Grundsatz weniger ist mehr, es
reicht völlig aus wenn man auf 1 Liter Brachionusansatz eine
Priese von dem Produkt/Hefe in Wasser gründlich auflöst
und dosiert, hierzu eigenen sich hervorragend Milchaufschäumer.
Es wird grundsätzlich erst wieder nachgefüttert wenn
das Wasser komplett aufgeklart ist. Hat sich die Brachionusdichte
vergrößert so kann man die Dosierung vom Futter/Wasservolumen
langsam stetig erhöhen.
Brachionus
an die Larven verfüttern
Früher
hat man häufig die Rädertierchen mit dem Kulturwasser
zu den Larven gegeben, dies hatte den Nachteil das man die Wasserwerte
in den Aufzuchtsbecken verschlechtert hat. Ammoniak und Nitrit
schossen in die Höhe, zum Leid der Larven. Heute ist man
dazu übergegangen die Brachionus auszusieben 110-40 µm
bei kleineren Arten kann man Gaze bis 40-11µm verwenden.
In diversen Züchtershops findet man geeignete Siebgewebe
(Gaze) aus Nylon oder Polyester.
im
Handel erhältlich
Mit den unterschiedlichen
Größen kann man die Brachionus gut nach Größe
aussieben, zuerst wird durch das größte Sieb gefiltert
dann durch das nächst kleinere usw. Ein Stück Gaze mit
der Größe von 10x10cm kostet so um die 2,00-5,50 Euro
je nach Anbieter und Maschenweite. Tipp: Vor den Aussieben empfiehlt
es sich die Gaze zunächst mit warmen Wasser durchzuspülen
da man ansonsten bei engeren Maschen teilweise sehr langsamen
Durchfluss hat. Viele Züchter bauen sich Ihr Gazesieb selbst,
dies funktioniert sehr gut, wenn man die Gaze an ein Rohrstück
anklebt, ich persönlich fixiere die Gaze mit einem Gummiband
an einem langen Rohr so kann ich sie anschliessend besser reinigen.

Eigenbau
von S.Heydenreich
Das Sieb wird
dann in einen geeigneten Eimer gestellt, damit die Brachionus
beim aussieben nicht zu sehr geschädigt werden wenn sie an
die Gaze gepresst werden, durch das Wasser in dem Eimer entsteht
ein leichter Gegendruck. Das hierdurch entnommene Wasser können
sie dann verwerfen und durch neues Salzwasser ergänzen.
Anreicherung
der Brachionus
Für
die Aufzucht von Fischlarven spielen EPA (Eicosapentaensäure),
DHA (Docosahexaensäure) und ARA (Arachidonsäure) eine
ganz wichtige Rolle, das Verhältnis der Fettsäuren muss
zueinander passen. Desweiteren werden von den Fischlarven Vitamine,
ReefStar Aminos, Lipide usw benötigt. Phytoplankton bringt
von Natur aus schon viel der erforderlichen Substanzen mit.
Nährwert
Phytoplankton:
Tetraselmis
sp.:EPA 5-20, DHA 0,1 ARA 02-1
Nannochloropsis
salina:EPA 29,9,DHA -, ARA 5.89
Isochrysis
sp. EPA 0,63 DHA 9,5, ARA 0,62
Nährwert
Reefpower: Phytoplankton, 45% Proteine,
1,4%, DHA, 15% Lipid, 1,3% EPA, 3% Fiber, 7% Feuchtigkeit, 12%
Asche, Astaxanthin, Lecitin und Vitamine.
Zur Anreicherung
wird die benötigte Menge ausgesiebte Menge Brachionus entnommen
und in ein Behälter mit gereiften Salzwasser mit idealer
Salzdichte überführt, hierbei muss unbedingt auf eine
gute Sauerstoffzufuhr geachtet werden, da die Brachionus sonst
quasi "ersticken". Für eine einfache Anreicherung
belässt man die Brachionus 12 Stunden in dem Behälter
möchten Sie eine intensive Anreicherung so werden die Brachionus
wieder ausgesiebt und erneut 12 Stunden in dem Anreicherungsprodukt
Ihrer Wahl angereichert. Vor dem verfüttern siebt man dann
die Brachionus erneut aus und reicht sie an die Larven als Nahrung
weiter. Für die Menge des Anreicherungsmitte beachten Sie
bitte die Herstellerangaben, da diese sehr unterschiedlich sind.
Tipp: Sollten die Brachionus beim Aussieben zusammen kleben oder
an der Wasseroberfläche treiben, verringern sie das nächste
mal die Dosierung und tasten sich langsam an Ihre Idealdosis ran.
Wichtige Informationen
Sauberkeit
das oberste Gebot! Pipetten, Planktonsiebe sollten am besten nur
für eine Brachionus-Kultur verwendet werden bzw. müssen
diese peinlichst desinfiziert werden, will man sich die Brachionus
nicht überall einschleppen.
Für eine
dauerhaft stabile Kultur sollte man regelmäßig ein
paar Brachionus der alten Kultur entnehmen und damit eine neue
Kultur starten.
Der Aufzuchtsbehälter
der Brachionus sollte regelmäßig gereinigt werden (wöchentlich)
hierzu siebt man die Kultur aus und setzt diese in frischem gereiften
Salz/Phytowasser an.
Verwenden
Sie Phytoplankton für die Brachionuskultur, sollten Sie das
Phytoplankton vor dem direkten verfüttern an die Brachionus
nicht düngen! Warten Sie damit lieber, bis sich der Dünger
aufgebraucht hat, so vermeiden Sie, den Nitrat- Phosphatwert durch
Dünger in der Brachionuskultur unnötiger Weise zu erhöhen.
Desweiteren würden die Larven durch den Dünger (der
über die Brachionus mitgereicht wird) Schaden nehmen
Wir wünschen
viel Erfolg bei der Rädertierkultur
(c)
Bilder Dietmar Schönfelder, Sylvio Heydenreich, Iris Bönig