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Iris Talk (Mini-Fuzzi-Feilenfischchen)

von Prof. Dr. Ellen Thaler

Was hab ich nicht schon alles von meiner lieben Kollegin in Sachen Meeresaquaristik direkt oder über ihre Vermittlung bekommen! Zum Beispiel einen wunderhübschen C.aurantius als willkommenen Partner für meinen bis dahin vereinsamten etwa, und ganz zu schweigen von ihrer Spezialzucht, den psychedelischen Quallenbabys! Iris hat mir aber vorenthalten, dass Chelmons sie als besonders leckere Glasrosen betrachten, deshalb trat ein unerklärlicher Schwund ein, bis ich meine Gestreiften auf frischer Tat ertappt habe. Aber die zwei, die anderswo einquartiert wurden, wuchsen zu Prachtexemplaren in Zartblau mit Rüschenröckchen heran, waren letztlich zu groß fürs Nano und sitzen pulsierend jetzt im Haus der Natur in Salzburg, so hoffe ich wenigstens…es gäbe also noch viel aufzuzählen.

Iris züchtet also erfolgreich tolle Sachen quer durchs "Gemüsebeet" der Korallenfisch-Aquaristik, ob Clowns oder alle möglichen Pseudochromiden und Krebstierchen. Aber das Beste, also, mit Abstand das Beste waren letzthin 4 "Zipfelmützen", Mini-Fuzzi-Feilenfischchen, die ich bei ihr direkt abholen durfte! Ich hab es fast nicht glauben können -obgleich ich Iris ja fast alles zutraue und glaube - daß es ihr tatsächlich gelungen ist sie zu züchten! Nun hab ich's gesehen - eine Meisterleistung sondergleichen!

Ich habe ja zu Feilenfischen, und speziell zu Tangfeilenfischen Acreichthys tomentosus ein besonderes Verhältnis: ich finde sie ungemein interessant, sie sind auch bereits Thema einer Diplomarbeit (Haptmann-Nagel 2000) und einer länger zurückliegenden Arbeit in der DATZ ( "Einer für zehn!")geworden, nicht etwa wegen ihrer segensreichen Tätigkeit in Sachen Glasrosen & co, sondern ihrer besonders ausgeprägten Fähigkeit des Farbwechselns. Das hat ja Iris sehr gut im "Meerwasseraquarianer" beschrieben. Aber die "Feilchen" können - zusammen mit einigen anderen Feilenfischen - ihre Farbe nicht nur der Umgebung anpassen, sondern sie können damit auch Stimmungen ausdrücken. Man kann mit ihnen sog. "Motivationsanalysen" vornehmen, nur indem man sie genau beobachtet, ohne dass man den Versuchstieren Elektroden ins Gehirn pflanzen muß.

Für einen Verhaltensforscher ist das eine großartige Sache! Man muß sich vorstellen, dass der Fisch, noch bevor er etwas bestimmtes tun will, seine Farbe wechselt: etwa wenn er hungrig ist und ein Algenbüschel untersuchen will, wechselt er zuvor von einfärbig beige auf schachbrett- Muster, und dann erst schwimmt er los.. Wenn er einen unsympatischen Kollegen verhauen will (aber der ist noch gar nicht zu sehen!), färbt er sich dunkelbraun, fast schwarz mit weißen Borsten! Und dann startet er, um ihn zu suchen. Er ist eben gerade in Kampfstimmung! Und als Beobachter kann man solche Farbwechsel- auslösenden Situationen "künstlich" bereitstellen (etwa mit einem versteckten kleinen Spiegel, der immer an der selben Stelle angebracht ist). Wenn der Feilenfisch kämpfen "will", dann zeigt er es vorher an. Ist doch toll - man stelle sich das bei uns Menschen vor…aber außer Haare- sträuben tut sich da nichts!


Nun, die 4 kleinen Feilchen, die ich im Februar 2008 bei Iris abgeholt habe, sind jetzt wunderschön, ausgewachsen, haben sich zu 3 Männern und einer Frau entwickelt, scheinen also keine Geschlechtsumwandlung zu durchlaufen, was anscheinend bei allen Feilenfischen nicht der Fall ist, und verhalten sich genau so, wie sies sollen: Sie schlafen nachts in einer buschigen Gorgonie und wiegen sich in der leichten Strömung, farbangepaßt, versteht sich. Sie fressen alles, was ich ihnen vorsetze, und natürlich auch alles Glasrosen-ähnliche und schleichen auf ganz bestimmten Wegen, mal grünlich, mal bräunlich oder gelblich gefärbt, durchs Becken, sobald etwas interessantes, fressbares auftaucht. Sie sind mit ihrer üppigen Fischgesellschaft bestens befreundet, auch mit einem Riesen-Wurzelsepp, einem Fetzenfeilenfisch, mit dem zusammen sie ab und zu am Löwenzahn-Büschel knabbern. Nach Balz schaut es derzeit noch nicht aus, und "wer mit wem" - das ist noch nicht ganz klar, aber wenn, dann werden die übrigen Männer woanders hin
übersiedeln.

Tangfeilenfische bereichern jedes Aquarium. Sie sind der faszinierende, unerwartete Gegenpol in einer bunten, quirligen Fischgesellschaft. Man sieht sie nicht -obwohl sie genau vor einem stehen und einen anschauen - man muß sie jedes Mal suchen, und oft findet man sie garnicht. Wenn sie genug abwechslungsreiches Futter - und nicht etwa nur Glasrosen! - haben, dann lassen sie auch Korallen in Ruh. Und sie sind, zumindest für Iris - tatsächlich züchtbar, und das macht sie noch viel attraktiver!

Iris und ihre bezaubernden Zipfelmützchen leben hoch!

(c) Ellen Thaler August 2008

 

Anhang Iris Bönig

Liebe Ellen,

ich hoffe das du an den Zipfelmützen noch lange viel Freude haben wirst . Es sind schon urige Gestalten, die einem viel Freude bereiten können und mitunter die niedlichsten Larven die man sich vorstellen kann. Sie haben so ein hübsches Gesicht und es ist wirklich ein Wunder das aus so einem langen Stäbchen mal so ein toller Fisch wird. Ich habe viele Stunden vor dem Zuchtbecken verbracht und um die kleinen gebangt und nun können die ersten schon selbst Eltern werden :) ich wünsche dir auch viele kleine

Mini-Fuzzi-Feilenfischchen :)

LG Iris

August 2008

 



 
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